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Um eine Verbindung zu einem meiner ersten Blog-Einträge "Transit" herzustellen und den Kreis zu schließen, möchte ich noch kurz auf den 24-Stunden ´convenience store´ als Reisestation und damit ´Nicht-Ort´ (´non-place´ vgl. Marc Auge) eingehen.

"Sie hatte etwas Poetisches, diese verlassene Raststätte auf ihrem Wall oberhalb der Autobahn. fern der bewohnten Welt. Ihre Ausstrahlung erinnerte mich an andere Reisestationen von gleicher, ebenfalls unerwarteteter Poesie - an Flughafenterminals, Häfen, Bahnhöfe und Motels ..." (Alain de Botton, 2002, S.42)

Mojave, 2006

"Das rund um die Uhr offene Diner, der Wartesaal eines Bahnhofs oder das Motel sind Freistätten für die, die aus achtbaren Gründen in der normalen Welt nicht heimisch geworden sind, ..." (Alain de Botton, 2002, S. 64)

Bevölkert werden diese Nicht-Orte bevorzugt von Menschen im Transit. Dies können Menschen sein, die tatsächlich materiell unterwegs sind oder auch Reisende im Sinne von ´auf der Suche sein´. Vielleicht sind sie auf der Suche nach einer anderen Identität oder einer neuen Heimat außerhalb der ´normalen´ Welt. Eine Verortung im schwebenden Zustand des Transits / des Nicht-Ortes als Möglichkeit für "globale Seelen" (vgl. Pico Iyer) irgendwie heimisch zu werden.

JFK Terminal One, 2004

"Viele der Plätze in unserer Umgebung sehen so anonym aus wie ein Warteraum. Die globale Seele scheint heutzutage nur noch inmitten des Fremden und nicht Entzifferbaren eine Heimat finden zu können." (Pico Iyer, 2002, S.273)

Ein Leben zwischen Hotelzimmern, Flughafenlounges, Autobahnen, Shoppingcentern, virtuellen Textwelten (Internet, Chatrooms, SMS) und dem einen oder anderen ´convenience store´. Eine Welt voller Murakami-Charaktere, die ihre Nächte in anonymen Jazz-Bars bei Bier und Whisky verbringen, auf verschneiten Flughäfen in Nordjapan festsitzen, zum Zeitvertreib auf verregneten Küstenstraßen herumkurven und stärkere emotionale Bindungen zu ihren Autos (entortete, mobile Gegenstände) aufbauen als zu irgendeiner Person. Reisende "Geister", die sich im Fluxus (´flux´ / Transit) treiben lassen ...

"Stuff happened, people appeared, scenes changed. Not very long ago I was wandering around, nearly blind, in a Sapporo blizzard. Now I was lolling on the beach at Waikiki, gazing up at the blue. One thing led to another. Connect the dots. Dance to the music and here´s where it gets you." (Murakami, 1994)


Literatur / Quellen:

Marc Auge, Non-Places. Introduction to an Anthropology of Supermodernity, 1995
Alain de Botton, Kunst des Reisens, 2002, S.41-70
Pico Iyer, Sushi in Bombay Jetlag in L.A. - Unterwegs in einer Welt ohne Grenzen, 2002, S.273
Haruki Murakami, Dance Dance Dance, 1994, S.233

Bilder:

© by Thomas Hirtenfelder
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