ape shall never kill ape

"Ape Shall Never Kill Ape". Das ist ein Slogan, der unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf vielen T-Shirts und Sweatshirts in Tokyo zu lesen war. Eine Schöpfung des Kultlabels "A Bathing Ape" und seinem Mastermind Nigo.
Hierzulande noch nicht ganz so bekannt, wird dieses Streetfashion-Label in Japan nahezu kultisch verehrt. Wenn irgendwo ein neuer, durchgestylter "Busy Work Shop" (so heißen die Flagship Stores der Marke) eröffnet, dauert es nicht lange und sämtliche Ware ist vergriffen. Das ein T-Shirt dabei durchschnittlich 100 EUR kostet, stellt für die meist junge Kundschaft kein Problem dar. Ganz im Gegenteil. A Bathing Ape spielt ganz bewusst mit dem Element des Exklusiven und legt die einzelnen Stücke großteils nur als "Limited Edition" auf.
"While Nigo will not admit to having a specific business strategy, his playbook would read something like this: Rule #1: Give kids comfortable clothes that they want to wear but keep everything limited-edition, detail-oriented, and high-priced so that it feels like "fashion"; Rule #2: Don´t seem so desperate to use traditional advertising, but promote your brand endlessly through monthly magazine columns and public cavorting with musicians and celebrities; In a country where department stores hire multiple woman to do nothing more than greet and bow to customers in unison, BAPE took the opposite route: welcoming shoppers with silence and cold stares - and the kids ate it up. Despite the fact that Nigo´s stores were selling somewhere around $300 of merchandise a minute during the peak years and were always filled with dozens of teenagers literally fighting over T-shirts, the marketing techniques convinced everyone leaving the store that they had bought into something special, unique and exclusive." (W. David Marx, 2006)
Der Look des Labels ist schnell erklärt. Die meisten Teile sind unkomplizierte Variationen des amerikanischen Skate- und Hiphop-Looks. Baggy-Hosen, bunte T-Shirts mit schlauen u.o. witzigen Slogans und vor allem das immer präsente Camouflage-Muster. Selbstverständlich spielt auch das Logo der Marke, ein stilisierter Menschenaffe, immer eine Rolle. Ob sie sich nun im Camouflage-Dschungel verbergen oder als Baby-Affen in Form des süßen "Baby Milo" auftauchen, die "Apes" aind omnipräsent.

Begründet wurde der ganze Mythos vom charismatischen Nigo. Er wurde am 23. Dezember 1970 als Tomoaki Nagao in der ländlichen Gunma Präfektur geboren und war schon früh von der Energie der Stadt Tokyo fasziniert. Schon in der Schulzeit fuhr er so gut wie jedes Wochenende in die Stadt um auf den Straßen von Harajuku herum zu spazieren. Mit 18 zog er alleine nach Tokyo um an der berühmten Bunka Fukuso Gakuin - Modeschule "magazine editorial" zu studieren. Mit seinem Freund Jun Takahashi (a.k.a. Jonio) eröffnet er schließlich 1993 in Harajuku den "Nowhere" Shop. In seiner Hälfte des Stores verkaufte Nigo ausgewählte Importware (u.a. Adidas-Schuhe) - in der anderen Hälfte verkaufte Takahashi sein eigenes Label "Undercover". Nach positiven Feedback der Kunden, gründete Nigo noch im selben Jahr sein eigenes Label: "A Bathing Ape".
Der Name sowie das Logo gehen auf Nigo´s Lieblingsfilm "Planet der Affen" (1968) zurück. Warum gerade dieser Film? Die Romanvorlage wurde 1963 von Pierre Boulle geschrieben, der während des 2. Weltkrieges Kriegsgefangener der japanischen Armee war. Ein durchaus interessanter Aspekt.
"Seine Bewacher waren so affenartig und doch so schlau, dass er zu einem Roman angeregt wurde, in dem Menschen (Weiße) von Affen (Asiaten oder Japanern) unterworfen werden. ..." (Keigo Oyamada in einem Interview, 2002)
Keigo Oyamada ist Elektronikmusiker und besser bekannt unter dem ebenfalls dem "Planet der Affen" entlehnten Pseudonym "Cornelius" (vgl. Dr. Cornelius im Film bzw. Roman). Außerdem ist Oyamada ein guter Freund von NIgo und "regiert" sozusagen an dessen Seite das Shibuya-Viertel in Tokyo.
Der Erfolg von "A Bathing Ape" stellte sich natürlich nicht sofort ein, aber irgendwann waren die Seiten der unzähligen Streetfashion-Magazine (siehe letzter Blog-Eintrag ´Hokoten´) voll von Kids mit "Bape"-Shirts. Vor dem ´Nowhere´ Shop in Harajuku wurden die Schlangen immer länger und bald eröffnete man den ersten von vielen Stand-Alone Shops in Tokyo. In den folgenden Jahren war der Hype dann endgültig nicht mehr aufzuhalten und Nigo wurde mit fast religiös anmutenden Fanatismus verehrt. Mit 35 gehört er heute zu den reichsten Tokiotern, führt ein extravagantes Jetset-Leben umgeben von Berühmtheiten und teuren Dingen und möchte nach Japan nun auch noch die restliche Welt erobern. "Busy Work Shops" in Hongkong, Taipei, London und zuletzt New York sind nur der Anfang. In wenigen Monaten eröffnet eine Filiale in Los Angeles, weitere Shops in Europa, Asien und den USA sind schon geplant.
Busy Work Shop, Greene Street, New York 2006

Auch im weltweit äußerst erfolgreichen Film "Lost in Translation" von Sofia Coppola hat Nigo seine Spuren hinterlassen. Bill Murray trägt in einer Szene ein markantes "Bape" Camouflage-Shirt. Geschicktes Product-Placement oder einfach nur ein Zeichen für die weltweite Anerkennung des Kultlabels?

In Nigo´s Heimatland gibt es neben mehreren Unterlabels wie "Baby Milo" und "Bapy" außerdem bereits einen "Bape Cuts" Haarsalon, eine Reihe von "Bape Cafe" Restaurants, das "Bape" Magazine, "Bape TV", bald eine exklusive "Bape Club" Internet-Community und vieles mehr. Ein genialer Werbedeal mit Pepsi führte sogar dazu, dass während eines Aktionszeitraumes alle Pepsi-Produkte in Japan mit Affenlogo und Camouflage-Muster "eingekleidet" wurden.

Bape ist zum Symbol einer ganzen Generation von jungen Japanern geworden. Auch die vieldiskutierte Wirtschaftskrise der letzten Jahre war für Labels wie "A Bathing Ape" nie wirklich ein Problem. ´A Bathing Ape´ und Mastermind Nigo als Symbol für eine aufstrebende junge Nation, die sich mit Hilfe von Kunst, Design und Kreativität ein zweites, höchst erfolgreiches Standbein auf dem globalen Parkett geschaffen hat . Japan als Lieferant qualitativer Autos, innovativer Elektronik und nun auch Japan als Trendsetter und Inspirationsquelle für Designer, Künstler, Architekten - Japan als zweitwichtigstes Popkultur und Lifestyle-Schwergewicht nach den Vereinigten Staaten.
"I´m sitting in one of my favorite seats, on one of my favourite airlines, heading to my current favourite city (Anm.: Tokyo). The only thing that could improve my mood would be seat 2A instead of 73K (upper deck on All Nippon Airlines), a cabin full of my best friends, a trolley serving curry rice and banana milkshakes from Bape Café and a better selection of movies." (Tyler Brule, May 2006)
Bape und Japan. Bald ein globales Phänomen?
Für weitere Recherchen und ein tieferes Eintauchen in das Bape-Phänomen kann ich die grandios gestaltete BAPE- Webpage wärmstens empfehlen.
Literatur:
W. David Marx, Gorillas in our Midst, in: Nylon Guys, Spring 2006, S.130-135
Nigo und Cornelius. Marketing vom Planet der Affen, in: Mini International Magazine - Tokyo, Februar 2002, S.20
Tyler Brule, Try these to make flying a more uplifting experience, in: Financial Times Weekend, May 20/21, 2006
Bilder:
Lake Tajo, Nigo, 2006
Scan aus: Nylon Guys, Spring 2006, S.131
Planet der Affen, 1968
http://www.fantascienza.com/cinema/pianeta-delle-scimmie/media/Planet.jpg
Bape Logo: http://www.bella.li/images/3/bape_logo.jpg
Baby Milo Logo: http://www.stay246.com/milo/t/MILO-zenT-baby.jpg
Busy Work Shop SoHo, New York 2006
© Thomas Hirtenfelder
Screenshot aus "Lost in Translation" (2004)
ein Film von Sofia Coppola
Bape Pepsi:
http://images.andale.com/f2/115/106/3716296/1019795696407_Bapepepsisodacans.jpg
» Post a Comment